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16. Feb. 2022 (Webinar): Psychische Gesundheit bei Männern - Terra Incognita?

Am 16. Februar 2022 referierte Herr Dr. M. Klein (Psychologe) im Rahmen der Webinar-Reihe der Liberalen Männer über das Thema "Psychische Gesundheit bei Männern - Terra Incognita?". Dabei berichtete er über männerspezifische Formen der Depression, über die hohe Suizidrate bei Männern und über die bei Männern erhöhten Suchtprobleme. Neben einer Beschreibung der Probleme und deren Ursachen, die teilweise auch im gesellschaftlichen Umgang mit Männerthemen begründet sind, wurden auch Anregungen zur Bewältigung und Vorbeugung gegeben.

Prof. Dr. Michael Klein beschäftigt sich beruflich hauptsächlich mit Suchterkrankungen. In seiner Arbeit befasst er sich aber auch mit vielen weiteren psychischen Problemen. Im Rahmen seines Vortrags gab Herr Klein zunächst einen Überblick über verschiedene psychische Probleme. Dabei zeigte er auf, dass psychische Störungen oft auch geschlechtsspezifisch sind. Zum Beispiel treten laut dem 2011 erstmals erschienen Deutschen Männergesundheitsbericht Probleme bei Substanzmissbrauch bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Aber auch die Unfallhäufigkeit oder die Suizidrate sind bei Männern wesentlich höher als bei Frauen. Männer nehmen Früherkennungsuntersuchungen seltener in Anspruch und sterben früher als Frauen. Während bei Frauen die psychische Gesundheit relativ gut untersucht ist und angemessene Hilfsangebote gemacht werden, sind die Forschung und die Hilfsangebote zur psychischen Gesundheit bei Männern unterrepräsentiert. In seinem Vortrag ging der Referent auf drei Hauptprobleme ein: Depression, Suizid und Sucht.

Obgleich die Prävalenzstatistiken zeigen, dass Depressionen bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern, begehen Männer drei- bis viermal häufiger Suizid als Frauen. Oft wird die Depression bei Männern nicht erkannt. Der Referent wies darauf hin, dass es möglicherweise männerspezifische Formen der Depression ("male depression") gibt, die mit bisherigen Konzepten der Depression unzureichend erkannt werden. Bei Männern drückt sich eine Depression auch anders aus (z.B. Schlaflosigkeit, Gereiztheit). Außerdem wird sie möglicherweise durch andere Ereignisse ausgelöst (z.B. "Eltern-Kind-Entfremdung"). Auch gesellschaftliche Formen der Misandrie ("Männerverachtung") machen es Männern schwer ihre depressiven Befindlichkeiten gegenüber anderen (insbesondere Hilfspersonen) zu zeigen. Möglicherweise müssen Behandlungsansätze der Depression stärker männerspezifische Aspekte berücksichtigen. Schließlich zeigte der Dozent einige Möglichkeiten zur Depressionsbewältigung und -prophylaxe auf.

Suizide (Selbstmorde) treten bei Männern etwa dreimal häufiger auf als bei Frauen. Meist treten Suizide in Kombination mit einer vorherigen Depression (oder anderen psychischen Erkrankungen) auf. Dabei erfolgen Selbstmorde bei Männern (mehr als bei Frauen) ohne vorherige Suizidandrohungen (parasuizidales Geschehen), was deren Prävention erschwert. Auch mangelt es an öffentlichem Bewusstsein sowie männerspezifische Hilfsangebote. Die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmords ist altersabhängig. Zu den Risikofaktoren gehören mittleres Lebensalter, Leben in ländlichen Gegenden, weiß Ethnizität, soziale Isolation, Arbeitslosigkeit und eine Trennung vom Partner (und einer Eltern-Kind-Entfremdung).

Im nächsten Themenkomplex referierte Herr Klein über Suchtstörungen bei Männern. Diese sind das häufigste psychische Problem bei Männern. Meist besteht die Suchtstörung in einer Nikotin- und Alkoholabhängigkeit, gefolgt von der Abhängigkeit von illegalisierten Drogen. Auch Verhaltenssüchte kommen vor. Alkoholabhängigkeit tritt in den Altersgruppen von 35 bis 55 am häufigsten auf. Drogenkonsum hat bei Männern und Frauen oft unterschiedliche Ursachen. Die Gründe sind vielfältig. Neben genetischen Gründen, soziokulturellen Traditionen und Anpassungsdruck, spielt auch die Selbstmedikation eine Rolle. Bei der Selbstmedikation dient der Substanzkonsum zum Beispiel der Bewältigung von Depressionen oder Ängsten. Schließlich verwies der Dozent auf Ansätze zur Entwicklung von geschlechtsspezifischen Angeboten Suchtstörungen zu bewältigen oder diesen vorzubeugen.

Nach dem Vortrag wurde von den mehr als 40 teilnehmenden Männern und Frauen über das Thema diskutiert. Dabei wurden Vergleiche mit anderen Ländern gezogen. Außerdem wurde angeregt, dass vielleicht körpertherapeutische Ansätze der Emotionsbewältigung bei Männern möglicherweise wirksamer wären als verbale. Auch über die Unterstützung von Angehörigen wurde gesprochen. Ebenso wurde das Problem eines "erweiterten Suizids" angesprochen. Schließlich wurden auf bestehende Präventionsinitiativen (z.B. LAG Jungenarbeit NRW) hingewiesen und Anregungen für politische Entscheidungsträger besprochen. (Deutschland: AB)

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