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16. März 2022 (Webinar): "Gender"-Sprache

Am 16. März 2022 referierte Herr B. Lassahn (Schriftsteller) im Rahmen der Webinar-Reihe der Liberalen Männer über die Ursprünge und Ziele der "Gender"-Sprache. Dabei zeigte er, dass die Ursprünge dieser politisch motivierten Sprachbeeinflussung im Feminismus der 70er Jahren des letzten Jahrhunderts liegen. Protagonisten waren zum Beispiel die Feministen Mary Daly oder Luise F. Pusch (Pseudonym: Judith Offenbach). Ziel dieses sprachlichen Feminismus ist es, das Trennende zwischen den Geschlechtern zu betonen. Laut dem Referenten ist es daher eine geschlechterseparierende sexistische Sprachideologie.

Zunächst ging der Referent Bernhard Lassahn (Schriftsteller) auf die Ursprünge der sogenannten "Gender"-Sprache ein. Diese liegen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Bereits damals gab es eine Bewegung, die versuchte neutrale Begriffe feministisch umzudeuten. Neutralen Formen (z.B. "Bürger"), die sowohl Männer als auch Frauen bezeichnen, wurden exklusiv feminine Formen beigestellt (z.B. "Bürger und Bürgerinnen") um das weibliche Geschlecht sprachlich zu betonen. Protagonisten des Sprachfeminismus waren zum Beispiel Mary Daly oder Luise F. Pusch, die auch unter dem Pseudonym Judith Offenbach publizierte.

Später (ab Beginn der 80er Jahre) ergaben sich weitere Formen der feministischen Sprache (z.B. verkürzte Paarform: "Bürger/-innen", Binnenmajuskel: "BürgerInnen", "Gendergap": "Bürger_innen", "Gendersternchen": "Bürger*innen"), die aber laut dem Referenten in ähnlicher Weise neutrale Formen ersetzen und das weibliche Geschlecht betonen. Andere abgeschwächte feministische Formen wie z.B. Verlaufsformen (z.B. "Studierende") oder neutralisierte Endungen (z.B. "StudentX") wirken zwar scheinbar geschlechterneutral, weil sie nicht explizit ein Geschlecht erwähnen, aber auch bei deren Verwendung wird direkt oder indirekt das Geschlecht als wichtigstes definierendes Wortelement betont. Abgesehen davon bezeichnen Verlaufsformen eine Tätigkeit und nicht Personengruppen. So ist zum Beispiel ein "Backender" nur ein "Bäcker" während des Backprozesses. Der Begriff schließt aber "Bäcker" aus, die gerade ihrer Tätigkeit nicht nachkommen (z.B. wegen einer Pause, Schlaf, Urlaub, ...).

Ziel der feministischen "Gender"-Sprache ist die sprachliche Betonung des Geschlechts. Dies gilt für alle Formen der "Gender"-Sprache - inklusive der scheinbar neutralisierenden Formen. Das Geschlecht (vor allem das weibliche Geschlecht) soll über der eigentlichen Aussage (z.B. Gemeinsamkeit als "Bürger", "Student" oder "Bäcker") stehen. Begründet wird diese Betonung des weiblichen Geschlechts zwar manchmal mit dem Konzept des "generischen Maskulinums". Nach dieser Argumentation würde durch die verallgemeinernde (d.h. generische) Verwendung von grammatikalisch maskulinen Wörtern (z.B. "der Bürger") eine implizite Benachteiligung von Frauen bestehen. Dies ist aber aus verschiedenen Gründen nur eine vordergründige Rechtfertigung: Zum einen wird hier die Grammatik (z.B. der Artikel "der") mit der Semantik (d.h. der Wortbedeutung) missbräuchlich vermischt. Zum anderen ist das "generische Femininum" insbesondere in der deutschen Sprache mindestens genauso üblich wie das "generische Maskulinum". Nicht nur sind viele Einzahlwörter grammatikalisch feminin (z.B. "die Person") sondern auch alle Mehrzahlwörter (z.B. "die Bürger", "die Studenten", "die Bäcker"). Daher ist laut dem Referenten das Hauptziel der feministischen "Gender"-Sprache nicht eine geschlechterneutrale Sprache sondern vielmehr das Gegenteil, das heißt eine geschlechterseparierende Sprache. Durch diese Sprachformen sollen das Geschlecht (vor allem das weibliche) einer Personengruppe besonders betont werden. Aus feministischer Sicht ist eine solche Sprachpolitik nötig um spezifische feministische Privilegien ableiten zu können. Laut dem Referenten handelt es sich daher bei der "Gender"-Sprache um eine geschlechterseparierende sexistische Sprachideologie.

Laut dem Referenten ist es besonders perfide, dass die "Gender"-Sprache an der Grammatik ansetzt. Es werden politische Ideen und Konzepte nicht durch die Semantik (d.h. Bedeutung), sondern über die Grammatik (d.h. Gebrauchsregeln) kommuniziert. Dadurch durchdringen die politischen Konzepte des Feminismus alle Bereiche einer Sprachgemeinschaft ohne dass man sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden kann. Bei einer rein semantischen Kommunikation (d.h. die Verwendung von politischen Begriffen, Konzepten und Argumenten) kann man sich dieser politischen Argumentation anschließen oder nicht. Aber durch den Missbrauch der Grammatik durch politische Sprachregeln ist diese Entscheidung nicht mehr möglich, weil jeder Text in einer Grammatik eingebunden werden muss. Durch die Fokussierung der "Gender"-Sprache auf die Grammatik wird dadurch nicht nur die Sprache zerstört, sondern auch eine allumfassende und unausweichliche Durchdringung von politischen Konzepten erreicht - egal ob diese politischen Konzepte gut oder schlecht sind und egal ob man sich diesen Konzepten anschließen möchte oder diese ablehnt. Die Grammatik-Fokussierung führt auch zu absurden Übergeneralisierungen. So wird die Geschlechterseparierung durch die "Gender"-Sprache manchmal auch dort angewendet wo weder semantisch noch grammatikalisch ein Geschlecht existiert (z.B. "MitgliederInnen" obwohl "das Mitglied") oder das Geschlecht semantisch nicht weiblich ist (z.B. "männliche StudentInnen").

Schließlich argumentierte der Referent, dass die "Gender"-Sprache die Kommunikation missverständlich und lügenbehaftet gestaltet. Zum einen werden dadurch Sprachregeln (Grammatik) für Aussagen (Semantik) missbraucht. Außerdem werden durch die regelmäßige Anwendung falsche Übergeneralisierungen vorgenommen (z.B. "männliche StudentInnen"). Zum anderen werden durch die feministische Sprache die unterschiedlichen Interessen hervorgehoben statt der Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel wird durch den neutralen Begriff "Wähler" das gemeinsame Wahlrecht hervorgehoben während bei dem feministischen Begriff "WählerInnen" das unterschiedliche Geschlecht von weiblichen und männlichen Wählern betont wird. Schließlich wird durch die "Gender"-Sprache nicht mehr zwischen Angesprochenen und Bezeichneten unterschieden. Angesprochen werden in der Regel alle möglichen Personen (Frauen und Männer), bezeichnet werden die spezifischen Personen einer Gruppe (möglicherweise nur Frauen oder nur Männer). Zum Beispiel wird die spezifische Gruppe "meine Freundinnen" durch den feministischen Begriff "meine FreundInnen" falsch bezeichnet.

Die Ausführungen des Referenten wurden von den etwa vierzig Teilnehmern rege diskutiert. Dabei wurden von den Teilnehmern auch zahllose Beispiele vorgebracht, die die Argumentation des "generischen Maskulinums" widerlegen. So ist "der Mond" in der italienischen ("la luna") und französischen ("la lune") Sprache feminin und "die Sonne" maskulin ("il sole" bzw. "le soleil"). Andere Sprachen wie Englisch ("the moon" und "the sun") oder Finnisch ("kuu" und "aurinko") kennen kein grammatikalisches Geschlecht. Das grammatikalische Geschlecht ist daher eine Eigenheit der Sprache, die vom semantischen Geschlecht unabhängig ist. Auch wurde erwähnt, dass die "Gender"-Sprache bei negativ konnotierten Begriffen scheinbar nicht verwendet wird (z.B. "Täter*innen"), was ebenfalls zeigt, dass die "Gender"-Sprache nicht um Gleichberechtigung oder sprachliche Klarheit bemüht ist. Angemerkt wurde weiterhin, dass der Missbrauch der Sprache zur Durchsetzung politischer Ziele nicht nur ein feministisches Mittel ist, sondern auch von anderen politischen Ideologien (z.B. Marxismus) begangen wurde und wird. Schließlich wurde auch noch auf den massiven politischen Druck hingewiesen, der auf Schriftsteller, Journalisten, Medienmitarbeiter, Lektoren und weitere Berufsgruppen ausgeübt wird und in vielen Fällen einem Berufsverbot gleicht. (Deutschland: AB & SM)

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